BAB
BAB erstellen: vom Kostenartenblock zum Zuschlagssatz
Der Betriebsabrechnungsbogen (BAB) ist das klassische Werkzeug der Kostenstellenrechnung: Er verteilt die Gemeinkosten eines Betriebs über nachvollziehbare Schlüssel auf die Kostenstellen und bildet daraus die Zuschlagssätze, mit denen Sie später jeden Auftrag kalkulieren. Wer den BAB einmal versteht, kann für jedes Angebot begründen, warum es einen bestimmten Preis haben muss. Diese Seite erklärt den Aufbau in drei Stufen – Kostenarten, Kostenstellen, Zuschlagssätze – und rechnet ein vollständiges Beispiel mit drei Kostenstellen durch.
Der Aufbau in drei Stufen
Der BAB führt von den Kostenarten über die Kostenstellen zu den Zuschlagssätzen:
- Kostenarten: Welche Gemeinkosten fallen an? (Gehälter, Raumkosten, Energie, Abschreibungen, Sonstiges).
- Kostenstellen: Wo entstehen sie? Die Gemeinkosten werden über Verteilungsschlüssel auf Material-, Fertigungs- sowie Verwaltungs- und Vertriebsstelle umgelegt.
- Zuschlagssätze: Je Kostenstelle wird der Gemeinkostenblock ins Verhältnis zu einer Bezugsgröße (Einzelkosten) gesetzt – daraus entsteht der Prozentsatz für die Kalkulation.
- Einzelkosten (Fertigungsmaterial, Fertigungslöhne) lassen sich direkt zurechnen und laufen nicht durch die Verteilung.
Stufe 1 und 2: Kostenarten auf Kostenstellen verteilen
Die Gemeinkosten des Beispielbetriebs betragen insgesamt 300.000 €. Jede Kostenart wird über einen eigenen Schlüssel verteilt – für die Raumkosten etwa nach Quadratmetern:
- Raumkosten 40.000 € nach Fläche: Material 200 m², Fertigung 600 m², Verwaltung/Vertrieb 200 m² (zusammen 1.000 m²).
- Material erhält 40.000 € × 200/1.000 = 8.000 €, Fertigung 40.000 € × 600/1.000 = 24.000 €, Verwaltung/Vertrieb 40.000 € × 200/1.000 = 8.000 €.
- Nach Verteilung aller Kostenarten ergeben sich die Gemeinkostenblöcke je Kostenstelle: Materialstelle 30.000 €, Fertigungsstelle 180.000 €, Verwaltung/Vertrieb 90.000 €.
- Kontrollsumme: 30.000 € + 180.000 € + 90.000 € = 300.000 € – die gesamten Gemeinkosten sind vollständig verteilt.
Stufe 3: die Zuschlagssätze bilden
Jeder Gemeinkostenblock wird ins Verhältnis zu seiner Bezugsgröße gesetzt. Die Einzelkosten des Betriebs betragen 200.000 € Fertigungsmaterial und 300.000 € Fertigungslöhne.
Materialgemeinkosten-Zuschlag = 30.000 € ÷ 200.000 € = 15 %. Fertigungsgemeinkosten-Zuschlag = 180.000 € ÷ 300.000 € = 60 %. Für den Verwaltungs- und Vertriebszuschlag ist die Bezugsgröße die Summe der Herstellkosten: Materialkosten (200.000 € + 30.000 € = 230.000 €) plus Fertigungskosten (300.000 € + 180.000 € = 480.000 €) ergeben 710.000 € Herstellkosten. Verwaltungs-/Vertriebszuschlag = 90.000 € ÷ 710.000 € = 12,68 %.
Die Zuschlagssätze in der Kalkulation anwenden
Mit den drei Sätzen kalkulieren Sie jeden Einzelauftrag. Beispiel für einen Auftrag mit 500 € Materialeinzelkosten und 800 € Fertigungslöhnen:
- Materialeinzelkosten 500 € + 15 % Materialgemeinkosten (75 €) = Materialkosten 575 €.
- Fertigungseinzelkosten 800 € + 60 % Fertigungsgemeinkosten (480 €) = Fertigungskosten 1.280 €.
- Herstellkosten = 575 € + 1.280 € = 1.855 €.
- + 12,68 % Verwaltung/Vertrieb (235,21 €) = Selbstkosten 2.090,21 €.
- Auf die Selbstkosten kommt anschließend der Gewinnzuschlag – der Weg zum Angebotspreis ist auf unserer Seite zur Handwerks-Kalkulation durchgerechnet.
Woher die Zahlen kommen
Die Kostenarten des BAB stehen in Ihrer Buchhaltung: Gehälter, Raumkosten, Energie, Abschreibungen und sonstige Aufwendungen liefert die GuV, der Konten-Drilldown führt von der Summen- und Saldenliste über das Kontenblatt bis zum einzelnen Beleg. Wer mit Kostenstellen bucht, ordnet die Aufwendungen bereits bei der Erfassung Material, Fertigung oder Verwaltung zu – der Verteilungsschritt entfällt dann größtenteils.
Ein fertiges BAB-Modul, das die Zuschlagssätze automatisch berechnet, gibt es bei uns bewusst nicht – die Verteilungsschlüssel sind betriebsindividuell und lassen sich nicht sinnvoll vorgeben. Was die Software liefert, sind die geordneten Ist-Kosten je Konto und Kostenstelle (Buchhaltung, 50 € je Nutzer und Monat, zwei Monate gratis) sowie die Plan-GuV im Modul Finanzplanung, mit der Sie Gemeinkosten und Zuschlagssätze für das kommende Jahr vorausplanen. Die Finanzplanung lässt sich 14 Tage kostenlos testen.
Häufige Fragen
Was ist ein Betriebsabrechnungsbogen?
Der BAB ist eine Tabelle der Kostenstellenrechnung. Er verteilt die Gemeinkosten eines Betriebs über Verteilungsschlüssel auf die Kostenstellen (Material, Fertigung, Verwaltung, Vertrieb) und bildet daraus die Zuschlagssätze, mit denen einzelne Aufträge kalkuliert werden.
Was ist ein Verteilungsschlüssel?
Ein Verteilungsschlüssel ordnet eine Kostenart verursachungsgerecht den Kostenstellen zu. Raumkosten werden zum Beispiel nach Quadratmetern verteilt, Energiekosten nach Maschinenstunden, Personalkosten nach Köpfen. Im Beispiel entfallen von 40.000 € Raumkosten bei 200/600/200 m² genau 8.000 €, 24.000 € und 8.000 € auf die drei Stellen.
Wie berechne ich einen Zuschlagssatz?
Der Zuschlagssatz ist der Gemeinkostenblock einer Kostenstelle geteilt durch seine Bezugsgröße. Materialgemeinkosten (30.000 €) durch Fertigungsmaterial (200.000 €) ergeben 15 %, Fertigungsgemeinkosten (180.000 €) durch Fertigungslöhne (300.000 €) ergeben 60 %. Verwaltung und Vertrieb werden auf die Herstellkosten bezogen.
Brauche ich für einen BAB Kostenstellen in der Buchhaltung?
Nicht zwingend, aber es hilft sehr. Wenn Sie in der Buchhaltung mit Kostenstellen buchen, sind die Aufwendungen bereits Material, Fertigung oder Verwaltung zugeordnet und die Verteilung entfällt weitgehend. Ohne Kostenstellen nehmen Sie die Verteilung anhand von Schlüsseln selbst vor.
Gibt es ein BAB-Modul in der Software?
Ein eigenes BAB-Modul gibt es nicht, weil die Verteilungsschlüssel betriebsindividuell sind. Die Software liefert die geordneten Ist-Kosten je Konto und Kostenstelle über die Buchhaltung und erlaubt die Vorausplanung der Gemeinkosten in der Finanzplanung. Den BAB stellen Sie mit diesen Zahlen und den Schritten dieser Seite auf.