Soll oder Ist
Soll- oder Ist-Versteuerung: welches Datum der AccountOne-Import je Bestellung nimmt
Marktplatzhändler haben zwei Daten je Bestellung: den Tag der Lieferung und den Tag, an dem Amazon, eBay oder Kaufland das Geld eingezogen hat. Für die Umsatzsteuer entscheidet die Versteuerungsart, welcher Tag zählt – bei Soll-Versteuerung die Lieferung, bei Ist-Versteuerung die Vereinnahmung. Weil der AccountOne-Import beide Tage aus dem Paar von Erlös- und Zahlungszeile kennt, kann er beide Regime richtig bedienen. Diese Seite erklärt die Rechtsgrundlage, die Grenze des § 20 UStG, den Wechsel und was in den Buchungen sichtbar wird.
Stand: 2026-10-06
Zwei Regime, zwei Tage
| Versteuerungsart | Rechtsgrundlage | Maßgeblicher Tag | Quelle im Export |
|---|---|---|---|
| Soll (vereinbarte Entgelte) | § 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a UStG | Ablauf des Voranmeldungszeitraums, in dem geliefert wurde | Belegdatum der Erlöszeile (Liefertag) |
| Ist (vereinnahmte Entgelte) | § 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. b UStG, § 20 UStG | Ablauf des Voranmeldungszeitraums der Vereinnahmung | Belegdatum der gepaarten Zahlungszeile |
| Ist ohne Zahlungszeile im Monat | wie oben | Vereinnahmung – angenommen am Liefertag | Erlöszeile; die Vorschau zählt die Annahme |
| Anzahlung vor Lieferung (Soll) | § 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Satz 4 UStG | Vereinnahmung der Anzahlung | eBay: Zahlung Tage vor Versand – Zahlungszeile |
| Erstattung | § 17 UStG | Zeitraum der Erstattung | Belegdatum der Erstattungszeile |
Wer Ist-Versteuerung wählen darf
Nach § 20 Satz 1 UStG kann das Finanzamt auf Antrag gestatten, die Steuer nach vereinnahmten Entgelten zu berechnen, wenn der Gesamtumsatz im vorangegangenen Kalenderjahr nicht mehr als 800.000 € betragen hat, wenn der Unternehmer nach § 148 AO von der Buchführungspflicht befreit ist oder wenn er einen freien Beruf ausübt. Für die meisten Marktplatzhändler ist die Umsatzgrenze der Weg; GmbH und UG sind nicht ausgeschlossen.
Der Antrag ist formlos und gilt ab dem Beginn des Kalenderjahres, für das er gestellt wird. Die Gestattung ist eine Einstellung Ihrer Gesellschaft in der Software – mit dem Datum, ab dem sie gilt. Der Import liest sie bei jedem Lauf. Was er nicht tut: aus dem Vorliegen einer EÜR auf Ist-Versteuerung schließen. Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG und Berechnung nach vereinnahmten Entgelten sind zwei getrennte Entscheidungen.
Wie der Import den Umsatzsteuer-Zeitpunkt setzt
- Jede Bestellzeile wird mit der Zahlungszeile desselben Kanals und derselben Bestellnummer gepaart; daraus kennt der Import Liefertag und Vereinnahmungstag.
- Bei Soll-Versteuerung setzt der Import den Liefertag als Umsatzsteuer-Zeitpunkt. Zieht der Marktplatz das Geld vor der Lieferung ein, ist das umsatzsteuerlich eine Anzahlung, deren Steuer schon mit der Vereinnahmung entsteht (§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Satz 4 UStG) – liegt sie in einem früheren Monat, prüfen Sie den Fall in der Vorschau.
- Bei Ist-Versteuerung wird der Vereinnahmungstag gesetzt; fehlt die Zahlungszeile im Stapel, gilt der Liefertag als Vereinnahmungstag, und die Vorschau weist die Zahl dieser Annahmen aus.
- Der Umsatzsteuer-Zeitpunkt steht an der Buchungszeile getrennt vom Buchungstag. Der Buchungstag folgt der Gewinnermittlung (EÜR: Vereinnahmung, Bilanz: Lieferung); beide Angaben können auseinanderfallen, ohne dass eine Auswertung falsch wird.
- Gebühren bekommen als Umsatzsteuer-Zeitpunkt ihr Belegdatum; die Vorsteuer ist nach § 15 UStG abziehbar, sobald die Leistung ausgeführt ist und die Rechnung vorliegt – unabhängig von Soll oder Ist.
Der Wechsel und seine Übergangszeilen
Wer von Ist zu Soll wechselt – etwa weil der Vorjahresumsatz 800.000 € überschritten hat –, muss darauf achten, dass Umsätze nicht doppelt oder gar nicht versteuert werden (§ 20 Satz 3 UStG). Lieferungen vor dem Wechsel, deren Geld erst danach kommt, werden mit der Vereinnahmung versteuert; Lieferungen nach dem Wechsel mit der Lieferung. Das Wechseldatum in den Einstellungen teilt die Zeilen: Der Import prüft je Bestellung, in welchem Regime sie liegt.
Für eBay-Verkäufe ist der Wechsel besonders sichtbar, weil die Zahlung dort Tage vor der Lieferung eingeht. Eine Zahlung am 29. Dezember für eine Lieferung am 3. Januar gehört bei Soll-Versteuerung als Anzahlung in den Dezember, bei Ist-Versteuerung ebenfalls in den Dezember – bei einem Wechsel zum 1. Januar entscheidet die Anzahlungsregel. Die Vorschau zeigt solche Grenzfälle je Monat.
Was Sie in Voranmeldung und Auswertungen sehen
Die Voranmeldung summiert nach dem Umsatzsteuer-Zeitpunkt; die Einnahmen-Überschuss-Rechnung nach dem Buchungstag; die Bilanz nach dem Liefertag. Weil alle drei an derselben Buchungszeile hängen, lässt sich jede Abweichung erklären: Der Umsatz eines Monats in der Voranmeldung kann vom Erlös desselben Monats in der GuV abweichen, wenn Lieferungen und Vereinnahmungen über den Monatswechsel laufen.
Die Umsatzsteuer-Verprobung der Software legt beide Sichten nebeneinander und erklärt die Differenz aus den Übergangszeilen. Für die Umsatzsteuer-Jahreserklärung werden die zwölf Voranmeldungen mit den Erlöskonten abgestimmt; Abweichungen aus dem Jahreswechsel gehören dort hin.
Häufige Fragen
Ich bin EÜR-Betrieb – bin ich damit automatisch Ist-Versteuerer?
Nein. Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung ist eine Entscheidung der Gewinnermittlung, die Ist-Versteuerung eine Gestattung des Finanzamts nach § 20 UStG. Viele EÜR-Betriebe sind Ist-Versteuerer, aber nur, wenn der Antrag gestellt und gestattet wurde. Die Software führt beide Einstellungen getrennt.
Was passiert, wenn Amazon einen Tag vor der Lieferung einzieht und der Monat wechselt?
Bei Ist-Versteuerung zählt der Einzug im alten Monat. Bei Soll-Versteuerung ist eine Vereinnahmung vor der Lieferung umsatzsteuerlich eine Anzahlung, deren Steuer ebenfalls schon mit dem Einzug entsteht (§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a Satz 4 UStG); der Import setzt bei Soll-Versteuerung den Liefertag. Die Vorschau zeigt, wie viele Bestellungen über den Monatswechsel laufen – prüfen Sie diese Fälle, bevor Sie buchen.
Gilt für Amazon-Zahlungen die Anzahlungsregel?
Zieht der Marktplatz den Kaufpreis vor der Lieferung ein, ist das umsatzsteuerlich eine Anzahlung, die bei Soll-Versteuerung mit der Vereinnahmung versteuert wird. Bei Amazon liegt der Einzug meist am Liefertag oder einen Tag davor, sodass die Frage nur am Monatswechsel wirkt; bei eBay liegen oft mehrere Tage dazwischen.
Kann ich die Versteuerungsart rückwirkend für ein Jahr ändern?
Ein Antrag auf Ist-Versteuerung kann bis zur Unanfechtbarkeit der Steuerfestsetzung des Jahres gestellt werden. Wird er gestattet, tragen Sie das Datum in den Einstellungen ein und buchen die betroffenen Monate neu – der Import nimmt dafür frühere Vorgänge als Ganzes zurück und bucht die Dateien mit dem neuen Zeitpunkt.
Was ist der Unterschied zwischen Buchungstag und Umsatzsteuer-Zeitpunkt in meinen Buchungen?
Der Buchungstag bestimmt, in welchem Monat der Erlös in GuV oder EÜR steht; der Umsatzsteuer-Zeitpunkt bestimmt, in welcher Voranmeldung die Steuer steht. Beide stehen an derselben Zeile und können auseinanderfallen – etwa Buchungstag im Januar (Vereinnahmung, EÜR) und Umsatzsteuer-Zeitpunkt im Dezember (Lieferung, Soll).
Welche Rolle spielt die Umsatzgrenze von 800.000 €?
Sie ist die häufigste Voraussetzung der Ist-Versteuerung: Der Gesamtumsatz des Vorjahres darf 800.000 € nicht überschreiten. Wird sie überschritten und greift kein anderer Tatbestand des § 20 UStG, kann das Finanzamt die Gestattung widerrufen; dann versteuert die Gesellschaft nach vereinbarten Entgelten. Prüfen Sie den Bescheid und tragen Sie das Wechseldatum in den Einstellungen ein. Die Erlöskonten der Software zeigen den Gesamtumsatz des Jahres.
Quellen und Rechtsstand
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